Baby nuckelt die ganze Nacht an der Brust? Entscheidungshilfe Abstillen nachts (von 6-facher Still-Mama)
Sarah Mann·27 Minuten Lesezeit
Sechsfache Stillmama und Babyschlaf-Beraterin Sarah Mann stellt dir 2 bewährte, sanfte Abstill-Lösungen von Fachleuten vor und verrät dir, wann ihr bereit für welche Methode seid! Außerdem erhältst Du****10 hillfreiche Tipps, wie Du Dein Baby nachts abstillen kannst.
Du bist müüüde! Dein Baby nuckelt die ganze Nacht an der Brust und Du fragst dich, ob Stillen euren Schlaf verbessert oder verschlechtert? Würdest Du gerne Dein Baby nachts abstillen, aber Du bist Dir unsicher, ob es das Richtige für Deinen kleinen Schatz ist?
Heute bekommst Du Antworten auf diese Fragen.
In diesem Artikel zeige ich Dir, bei welchen Anzeichen Baby und Mama bereit dazu sind, nächtliches Stillen und Dauernuckeln zu beenden. Dazu erhältst Du den großen und einmaligen Vergleich von zwei bewährten Abstill-Strategien zweier „sanfter“ Experten (Abstillen nach Gordon, Pantley-Methode). So kannst Du klar entscheiden, was der richtige Weg für euch ist.
(Übrigens habe ich alle meine sechs Kinder 1-2 Jahre lang gestillt ;-))
Bist Du bereit für mehr Schlaf? Legen wir los.
Baby nachts abstillen – Wann ist mein Baby bereit dazu?
Es gibt keine feste Regel, wann genau ein Baby bereit dazu ist, abgestillt zu werden. Experten raten dazu, mindestens 6 Monate lang zu stillen. Die American Academy of Pediatrics empfiehlt, mit dem kompletten Abstillen bis zum ersten Geburtstag zu warten. Doch oftmals gilt ein Zeitrahmen von 1-2 Jahren als optimal.
Natürlich können Eltern und Kinder aufgrund persönlicher Präferenzen und Umstände auch früher oder später abstillen. Alter des Babys, Familiensituation, Gefühlslage der Mutter undSchlafmangel sind dabei die großen Faktoren, die bei der Entscheidung berücksichtigt werden sollten. Es gibt kein Richtig oder Falsch.
Wann kommt ein Baby nachts ohne Stillen/Nahrung zurecht?
Hier gilt folgendes:
Bereits ab 3-4 Monaten kann man erfolgreich daran arbeiten, die Abstände zwischen den Mahlzeiten nachts sanft zu verlängern und damit längere Schlafphasen in der Nacht zu erzielen.
Ein Baby ab 6 Monaten kann durchaus nachts abgestillt werden und tagsüber weiterhin (auf Wunsch sogar voll) gestillt werden.
Ab spätestens 5-6 Monatenkönnen normal entwickelte Babysmindestens 6-8 Stunden ohne Nahrungsaufnahme nachts klarkommen. Dies wird offiziell bereits als „Durchschlafen“ bei Babys definiert.
Ärzte gehen davon aus, dass ein Babymit spätestens 9-12 Monaten nachts keine Kalorienzufuhr/Milch mehr benötigt, um sich gesund zu entwickeln.
Blick über den Tellerrand – ein kleiner Exkurs
In englischsprachigen Ländern wird vielerorts davon ausgegangen, dass ein Baby mit spätestens 6 Monaten die ganze Nacht, also 11-12 Stunden, durchschlafen kann (ja, auch Stillbabys).
Viele Schlafcoaching-Programme auf Englisch starten auch schon mit 4-5 Monaten Alter. Manche bekannten Fachleute/Autoren setzen die Grenze sogar noch weiter nach unten und entsprechende Bücher sind weiterhin insbesondere in den USA beliebt. (Ezzo, Bucknam „Becoming Babywise“; Suzy Giordano „12 hours by 12 weeks“ etc.)
Auch wenn ich persönlich diese Methoden überhaupt nicht unterstütze, zeigt es die Bandbreite an Möglichkeiten. In Amerika und Frankreich gehen viele Mütter ab 4 Monaten wieder arbeiten. Da braucht es andere Lösungen als hierzulande.
In anderen Völkern wiederum wird viel länger als 2 Jahre gestillt und dem Kind die Führung beim Abstillen überlassen.
Insofern: Vieles, was wir als normal annehmen, ist kulturell bedingt.
Stillen in Deutschland
Deutschland hat sich mittlerweile ideologisch wohl eher im hinteren Mittelfeld angesiedelt, gefördert durch den Luxus, dass die meisten Mütter mindestens ein ganzes Jahr zuhause bleiben und sich rund um die Uhr um ein einziges Kind kümmern können.
Der Anspruch die „perfekte“ Mama zu sein ist im deutschsprachigen Kulturkreis sowohl von innen als auch von außen durch die Gesellschaft sehr groß. Doch der Blick in anderen Kulturen zeigt: Allesmögliche ist normal und kann gesund und liebevoll gelebt werden.
Das heißt: Du darfst beim Abstillen und Durchschlafen auf jeden Fall deinen eigenen Weg gehen!
Entscheidungsfindung – Was ist das Richtige?
Was oft hilft, ist sich klar zu machen: Könnte ich dieses Level, das ist jetzt leiste, mit einem weiteren Kind durchhalten?
Oftmals ist die Antwort „Nein“ (so erging es mir) – und damit kann es auch nicht normal und gesund sein, sich 24 Stunden mit Schlafentzug, Überforderung und Energielosigkeit herumzuschlagen, weil ein paar moderne Bücher uns einreden, dass dies „normal“, „toll“ und „das Beste“ für das Kind sei.
Fazit: Tatsächlich ist es im Normalfall möglich, Babys ab einigen Monaten Alter beizubringen, ihren Kalorienbedarf am Tag zu decken. Ihre Entwicklung wird dadurch nicht negativ beeinflusst. (Dies gilt allerdings nicht unbedingt für Frühchen oder Babys mit geringem Gewicht!)
Baby nuckelt die ganze Nacht an der Brust! Warum eigentlich? – Faktoren, von denen das Durchschlafen abhängt
Falls sich dein kleiner Schatz auch zu einem nächtlichen Dauernuckler entwickelt hat, fragst du dich womöglich, wie es überhaupt so weit gekommen ist.
Gleich zur Beruhigung: Auch wenn längst nicht alle Babys Dauernuckler werden, sind diese auch keine Seltenheit. Es hängt viel mit dem Temperament,der Gehirnentwicklung undder Persönlichkeit deines Kindes zusammen, wie sich das Schlafverhalten entwickelt. Alle Babys brauchen Nahrung, Nähe und Geborgenheit – aber längst nicht alle fordern es unentwegt ein.
Man geht davon aus, dass ca. 25% aller Babys massive Schlafprobleme entwickeln.
Dauernuckler haben gewöhnlich Schwierigkeiten damit, zwischen den verschiedenen Schlafphasen (Leicht- und Tiefschlafphasen) und Schlafzyklen (40-50 Min lang bei einem Baby) hindurchzugleiten. Stattdessen schlafen sie unruhiger, wachen ständig auf und fordern massiv ein, was sie zum Einschlafen und Weiterschlafen gewohnt sind – und das ist in den allermeisten Fällen die Brust (oder auch das Tragen auf dem Arm).
Selbst-Beruhigung/Self-soothing
Eine Studie von Burnam (2005) beobachtete 80 Säuglinge im ersten Jahr und stellte fest, dass schon im Alter von wenigen Monaten drei große Faktoren voraussagen, inwieweit das Kind mit einem Jahr die Fähigkeit sich selbst zu beruhigen (engl. „self-soothing) entwickelt haben wird. (Unter Selbst-Beruhigung/Self-soothing wird hier verstanden, ohne elterliche Hilfe von einer Schlafphase in die nächste zu wechseln und damit zunehmend durchzuschlafen zu können.)
Laut dieser Studie sind die 3 wichtigsten Faktoren, die voraussagen, ob ein Baby mit 1 Jahr durchschlafen wird, folgende:
Wie viel Zeit verbrachte das Kind im ersten Jahr im eigenen Bettchen? Kinder, die früh lernen, alleine zu schlafen, haben viel mehr Möglichkeit ihre Selbst-Beruhigungsfähigkeit zu üben.
Wie viel Zeit verbrachte das Baby von Anfang an im ruhigen Schlaf? D.h. welche Anzeichen für eine frühe und reife Gehirnentwicklung zeigt es?
Wie schnell reagieren die Eltern, wenn das Baby aufwacht? Warten sie kurz und geben dem Baby so die Zeit, ein bisschen „self-soothing“ zu üben?
Das nächtliche Dauernuckeln nachts scheint also an vielerlei Faktoren zu hängen und auf manche davon (Gehirnentwvölliicklung und Persönlichkeit) haben wir kaum Einfluss.
Auch die Schlafsituation scheint eine große Rolle zu spielen. Angeblich wachen Babys, die mit im Familienbett bzw. direkt neben der Mutter schlafen, häufiger auf. Andere Studien wollen allerdings genau das Gegenteil herausgefunden haben: Weniger Aufwachen und mehr Tiefschlaf mit 6 Monate Alter.
Warum sind Babys ab 6 Monaten angeblich fähig, das Dauernuckeln aufzugeben?
Das Alter von einem halben Jahr ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern beruht auf langjähriger Forschung der frühkindlichen Entwicklung.
Denn Experten haben festgestellt, dass die Entwicklung des autonomen Nervensystems, das für die Selbstregulierung und Kontrolle von Emotionen nötig ist, insbesondere im letzten Trimester der Schwangerschaft und in den ersten sechs Lebensmonaten eines Babys massiv voranschreitet.
Das heißt, dass mit 6 Monaten das Gehirn im Normalfall so weit ausgereift ist, dass Babys nicht mehr nur durch äußere Reize (insbesondere durch Stillen, die Flasche, Nuckeln oder durch Herumtragen) beruhigt werden müssen, sondern zunehmend fähig sind, sich selbst zu beruhigen bzw. dies zu erlernen.
Und dies ist die Hauptvoraussetzung, ohne Aufwachen zwischen Schlafzyklen wechseln zu können.
Somit können Babys spätestens mit 6 Monaten durchschlafen erlernen!
Und auch kleinen Dauernucklern kann beigebracht werden, ohne Brust im Mund zu schlafen.
Baby nuckelt nachts nur an der Brust – Wann ist es ok zu sagen „genug ist genug“?
Wenn ein Baby die ganze Nacht an der Brust nuckelt, bedeutet das für viele Mamas ein Wechselbad an Gefühlen und Gedanken: Ja, es ist wunderschön und man würde den kleinen Schätzen so gerne diese Nähe schenken und das tiefe Wissen, dass man immer für sie da ist.
Gleichzeitig berichten viele Mamas, insbesondere von älteren Babys, dass sie mittlerweile völlig erschöpft**, komplett verspannt und überfordert oder sogar kurz vor dem Zusammenbrechen sind.
Da ist es mit einfachen Antworten wie „Stillen ist wichtig. Was stellst du dich so an?“ und „Weiter so, das ist ganz normal!“ wirklich nicht getan.
So besagt eine australische Studie, dass knapp die Hälfte aller Mütter von Babys/Kleinkindern, die eine Schlafklinik/Schlafberatung aufsuchen, bereits im klinisch relevanten Bereich von Depressionen sind – getriggert durch massiven Schlafmangel!
Dies deckt sich mit meiner langjährigen Erfahrung in der Schlafberatung und der Begleitung vieler erschöpfter Mamas (und Papas), die sich voller Liebe und Verzweiflung an mich gewandt haben.
Wie kann ich mein Baby nachts abstillen? – 10 hilfreiche Tipps
Sind Dein Baby und Du bereit für den nächsten Schritt? Folgende Strategien können euch dabei helfen, die nächtlichen Stillmahlzeiten zu reduzieren:
1. Lass dein Baby tagsüber viel trinken und essen
Damit dein Baby nachts besser schlafen kann, ist es wichtig, dass es tagsüber ausreichend trinkt bzw. je nach Alter auch isst.
Babys werden mit zunehmendem Alter immer aktiver und lassen sich leicht ablenken. Stelle deshalb sicher, dass du tagsüber regelmäßige Fütterungszeiten einhältst (ca. alle 2-3 Stunden, je älter desto größer der Abstand) und dein Kind dann auch ordentlich trinkt.
Ab spätestens 4-6 Monaten können feste Zeiten und Rituale und insbesondere ein ruhiger, ablenkungsfreier Raum zum Stillen wichtig sein.
2. Biete abends eine große Mahlzeit an
Achte darauf, dass dein Baby mit vollem Bauch in die Nacht startet, sodass es nicht allzu schnell wegen Hunger wieder aufwacht.
(Bei kleineren Babys solltest Du mehrere Extra-Mahlzeiten über den Abend verteilt anbieten. Bei größeren reicht eine ordentliche Mahlzeit mit ausreichend Abstand zur vorhergehenden Mahlzeit, egal ob Stillen oder Brei.)
3. Finde alternative Beruhigungsstrategien
Oft passiert es, dass Babys aus Gewohnheit weiterhin häufig aufwachen. Auch haben sie keinen richtigen Hunger, sondern wollen einfach gerne „snacken“.
In diesem Fall kann es helfen, alternative Beruhigungsstrategien wie Streicheln, Singen, leichtes Klopfen, Schnuller, Schunkeln etc. einzuführen.
4. Löse das Stillen vom Einschlafen
Ein sehr wichtiger Schritt in Richtung Durchschlafen ist in den meisten Fällen, das Stillen als Einschlafritual abzugewöhnen.
Stille ca. 15 Minuten vor dem Einschlafen und finde feste Rituale, wie du danach dein Baby beruhigst und zum Einschlafen bringst (z.B. ein Schlaflied, herumtragen, im Liegen einschlafen üben usw.).
5. Führe eine „Traumfütterung“ (Dream feed) ein
Wecke dein Baby sanft auf, um noch einmal ordentlich zu trinken, bevor du selbst ins Bett gehst, z.B. um 22.30 Uhr.
6. Kein Abstillen in Zeiten der Veränderung
Kurz vor einem Urlaub, wenn die Kita-Eingewöhnung, ein Geschwisterchen oder deine Rückkehr in die Arbeitswelt unmittelbar ansteht, dann sind dies keine besonders guten Zeitpunkte, um den Abstillprozess einzuläuten.
Gleiches gilt, wenn dein Baby mit Zahnschmerzen oder einer Erkältung kämpft.
7. Halte Still-Mahlzeiten nachts kurz und ruhig
Stille dein Kind bei allen nächtlichen Fütterungen so ruhig und kurz wie möglich (und nötig).
Verhalte dich möglichst „langweilig“ und verteile keine zusätzlichen Kuscheleinheiten, die das Aufwachen noch attraktiver machen.
8. Warte kurz, bevor du nachts auf dein Baby reagierst
Es klingt verrückt, aber dieser einfache Tipp kann tatsächlich sehr viel bringen (siehe auch oben erwähnte Studie): Gib deinem Baby, wenn es nachts aufwacht, eine wachsende Anzahl an Sekunden/Minuten Zeit, sich selbst zu beruhigen und zu lernen ohne deine Hilfe in den Schlaf zurückzufinden.
Wenn du diese Strategie konsequent umsetzt, wirst du evtl. schon bald erstaunt feststellen, dass es etliche Male nach kurzem Meckern weiterschläft und Stillen unnötig ist.
(Falls dein Baby sofort lauthals schreit, ist diese Strategie nicht für euch geeignet. Beziehungsweise sollte sie dann nur sehr langsam gesteigert werden.)
9. Mache dir einen Plan
Abstillen kann schnell oder langsam verlaufen. Es kommt sehr auf eure Lage, die jetzige Still-Häufigkeit und das Alter deines Kindes an – und auch, was du genau möchtest.
Empfehlenswert ist, dass du dir Ziele setzt und einen Plan machst. Und diesen dann auch umsetzt. Wie und wann möchtest Du abstillen? Wie lange soll der Umgewöhnungs-Prozess dauern und wann möchtest Du einzelne nächtliche Mahlzeiten reduzieren?
10. Denke über ein Schlafcoaching nach
Falls dein Kind die ganze Nacht an der Brust nuckelt, ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich einfach an dieses Dauernuckeln gewöhnt hat, ohne wirklich ständig hungrig zu sein.
An diesem Punkt kannst Du über ein Schlafcoaching nachdenken, sodass Dein kleiner Schatz lernt, alleine zwischen Schlafphasen zu wechseln und ihr alle endlich durchschlafen könnt.
Hier kann Dir auch unser Babyschlaf-Kompaktkurs weiterhelfen! Hier findest du bewährte Strategien, um den Schlaf Deines kleinen Schatzes zu verbessern.
Abstillen nach Pantley oder Gordon – wie funktioniert es und was ist besser?
Falls du nach einem festen und sanften Plan suchst, wie du das Abstillen nachts angehen kannst, dann stelle ich dir jetzt zwei gängige Methoden zweier „sanfter“ Baby-Experten vor.
Abstillen nach Elizabeth Pantley – für Babys ab 4-6 Monaten anwendbar
Abstillen nachts nach Dr. Jay Gordon – für Babys ab 12 Monaten
Vergleich der beiden Methoden und Empfehlungen
1. Abstillen nachts nach Elizabeth Pantley (für Babys ab 4-6 Mon.)
Elizabeth Pantley glaubt daran, dass es einen Zwischenweg zwischen „Schreien lassen“ oder „Ferbern“ und dem oft massiv belastenden Schlafmangel der Mütter durch ständiges nächtliches Aufwachen und Stillen geben muss.
Ihr Ziel ist es, Bedürfnissen von Müttern und Kindern gerecht zu werden und dabei mehr Schlaf für alle zu erreichen. Sie zeigt mit ihrer sanften Methode, wie Babys ab 4 Monaten lernen können, eigenständiger ein- und weiterzuschlafen.
So funktioniert es
Wenn dein Baby nur die Brust als Einschlafhilfe kennt, ist ihre Methode genau für dich gedacht.
Pantley konzentriert sich in erster Linie auf das Problem des Einschlaf-Stillens und Weiterschlaf-Stillens.
Sie empfiehlt dazu, konsequent die Brust (oder Flasche/Nuckel) sanft zu entziehen. Das heißt, Du stillst dein Baby fast bis zum Einschlafen, aber löst seinen Mund kurz vor dem Einschlafmoment von der Brust.
Dies geht am besten, wenn du den kleinen Finger in seinen Mundwinkel schiebst, sodass die Saugwirkung aufgehoben wird. Ebenfalls hilfreich ist es, sein Kinn sanft nach oben zu halten, sodass sein Mund zugeht. Ebenso verfährst du bei jedem nächtlichen Aufwachen.
Die Lernentwicklung
Dein Kind soll also schrittweise lernen, selbstständig ohne Nuckeln einzuschlafen, bis du es durch Körperkontakt und schließlich nur verbal beruhigen kannst.
Nacht für Nacht entziehst du die Brust einen Mini-Moment früher.
Falls dein Baby weint, darfst du erneut stillen und startest einen neuen Versuch, die Brust früher als sonst zu entziehen.
Ziel ist es, dass dein Baby ohne Nuckeln einschlafen lernt, sodass es dann auch ohne Nuckeln und Aufwachen zwischen Schlafphasen wechseln lernt. Und ja, das kann durchaus bedeuten, dass ihr die ersten Nächte 10, 20 oder 30 Mal „Stillen → Brust entziehen → Stillen → Brust entziehen…“ bei jedem Erwachen üben müsst. Solange, bis dein Kind akzeptiert, ohne Brust im Mund einzuschlafen. Konsequenz ist dabei ganz wichtig.
Dieser Plan kann entsprechend dem Alter und den Bedürfnissen deines Kindes angepasst und im unterschiedlichen Tempo durchlaufen werden.
Für wen ist diese Methode geeignet?
Diese Methode ist für sehr kleine Babys geeignet, mit denen noch kein richtiges Schlafcoaching durchgeführt werden kann (ab 3-4 Monaten Alter). So können hilfreichere Schlafgewohnheiten entwickelt werden als ständiges Dauernuckeln und Einschlafstillen.
Diese Methode empfiehlt sich für Eltern, die Tränen absolut vermeiden wollen und Zeit und Energie aufwenden können, um das Abstillen nachts behutsam zu erreichen.
Auch für ältere Babys und Kleinkinder wird die Methode erfolgreich angewendet, auch wenn hierfür oftmals mehr Geduld und Energie aufgewendet werden muss.
Für wen ist diese Methode nicht geeignet?
Für Mütter, die nicht die Kraft oder Zeit haben, um sie konsequent durchzuführen, ist diese Methode nicht geeignet. Sie nimmt einige Wochen oder sogar Monate in Anspruch und verlangt viel Geduld, auch mitten in der Nacht.
Wer mehrere Kinder zu betreuen hat oder erschöpft ist, ist womöglich mit einer schnelleren, klareren Methode besser bedient.
Erfahrungen mit der Pantley-Methode
Im Folgenden findest Du einige Erfahrungsberichte von Eltern, die diese Methode angewandt haben:
„Seit 3 Nächten ziehen wir das Programm durch. Und ich muss sagen, Hut ab vor dieser Methode. … die gestrige Nacht war schon super, mein Sohn hat fast immer ohne Protest den Brustwarzenentzug toleriert und hat sofort weitergeschlafen – mit seiner Stoffwindel über den Augen, und 2-3 h geschlafen, und das im Familienbett, daran hab ich nichts geändert. Vorher war es oft ein Dauergenuckle mit bis zu stündlichem aufwachen.“ „Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für die Methode, nur eine einzige private Studie, deren Ergebnisse überhaupt nicht mit unseren Erfahrungen übereinstimmten (im Beispiel macht die Mutter ihr Baby 5x von der Brust ab, bevor es einschläft; bei uns ist es auch nach drei Wochen nie unter 50x gewesen!)“ „Mein Sohn (9 Monate) war mindestens stündlich nachts wach und wollte gestillt werden. Wende nun seit ca. zwei Wochen einige Tipps konsequent an und er schläft abends seit ca. 3 Tagen ohne Tragen, stillen, schaukeln oder ähnliches ein (muss lediglich anwesend sein). Seit zwei Nächten schläft er auch nachts deutlich besser… Und das ganz ohne schreien.“ „Drei Wochen an den Plan der Autorin gehalten, waren die Nächte noch schlimmer. Er ließ sich gar nicht mehr weglegen und schlief nur noch auf meinen Armen oder im Schoß.
2. Abstillen nachts nach Dr. Jay Gordon – für Babys ab 12 Monaten
Der amerikanische Kinderarzt Dr. Jay Gordon entwickelte einen 10-Nächte-Plan zum nächtlichen Abstillen, den er ab einem Alter von 1 Jahr empfiehlt.
Wie funktioniert es?
Der Kinderarzt Dr. Jay Gordon glaubt daran, dass ein Kind nachts Geborgenheit und Nähe braucht. Seine Methode zum Abstillen nachts gilt ebenfalls als sanft. Allerdings gibt er eine klare Struktur von 10 Nächten vor.
Das Ziel ist es, eine 7-stündige Stillpause zu erreichen. Den Rest der Nacht darf wie bisher gestillt und gekuschelt werden.
Du suchst dir zu Beginn eine klare Zeitspanne von 7 Stunden aus, in der du nicht mehr stillen möchtest, z.b. von 20 bis 3 Uhr oder 22.30 bis 5.30 Uhr. Einschlafen und Aufwachen außerhalb dieser Zeitspanne darf dein Kind weiterhin wie gewohnt gestillt werden.
Nächte 1-3
Hier wird zwar wie gewohnt weiter gestillt, wenn dein Kind Hunger hat, aber es wird schnell von der Brust gelöst, wenn es ausschließlich nuckelt und nicht (mehr) richtig trinkt. Stattdessen wird es nun durch Körperkontakt beruhigt.
Großer Protest ist normal. Ziel ist es, dass dein Kind nicht an der Brust einschläft, aber alle Nähe und Geborgenheit bekommt, die es braucht.
Nächte 4-6
Ab sofort wird das Kind innerhalb der 7-stündigen Stillpause nicht mehr gestillt. Du darfst alles tun, um es anderweitig zu beruhigen (singen, „Schhh“ sagen, streicheln, Hand auflegen, auch herumtragen).
Wichtig ist es, ihm viel Nähe zu geben, aber konsequent zu bleiben. Bei Stillmamas kann es Sinn machen, dass nun Papa diese Aufgabe übernimmt.
Nächte 7-10
Du gehst ähnlich wie in den Nächten 4-6 vor, ihr solltet aber auf jeden Fall liegen bleiben. D.h. also kein Herumtragen mehr und auch der Köperkontakt sollte weiter reduziert werden. Du kannst z.B. sprechen, singen, streicheln, Hand auflegen.
Dein Kind wird lernen, sich auch so zu beruhigen.
Du kannst dir sicher sein, dass es deine Liebe und Zuneigung spürt, auch wenn es erst einmal frustriert und wütend reagiert, weil du ihm seine liebe Nuckel-Gewohnheit genommen hast.
Und danach?
Du kannst dein Kind weiterhin kurz berühren und zu ihm sprechen, wenn es aufwacht. Aber versuche diese Interaktionen gering zu halten. Manchmal dauert es noch ein paar Nächte und selten eine Woche oder länger, bis dein Kind beginnt, diese 7 Stunden durchzuschlafen.
Für wen ist diese Methode geeignet?
Für Kinder ab einem Jahr (wobei ich als Schlafberaterin sagen würde, ab 6 Monaten wäre es auch völlig ok).
Für Eltern, die einen klaren Entschluss gefasst haben, 7 Stunden Stillpause und Durchschlafen einzuführen.
Du musst mit Protest und Tränen rechnen. Aber du darfst dir sicher sein, dass deine Nähe und Anwesenheit die Sicherheit geben, die dein Kind jetzt braucht. Mit der nötigen Konsequenz und Geduld von deiner Seite wird es sich schnell umgewöhnen können.
Für wen ist diese Methode nicht geeignet?
Wenn du nicht mit Tränen und Schreien umgehen kannst, solltest Du diese Methode nicht wählen, da sich diese sich kaum vermeiden lassen (einige anpassungsfähige Kinder ausgenommen und es gibt auch immer wieder Überraschungserfolge bei einem solchen Vorgehen).
Wenn du unentschlossen bist. Denn dann wird sich vermutlich dein Kind „durchsetzen“.
Falls dein Energielevel sehr weit unten ist und du ein schnelleres, klareres Vorgehen benötigst und z.B. dein Kind auch an ein eigenes Zimmer gewöhnen möchtest. Dann bist du ab einem Jahr Alter gutmöglich mit der „Stuhl-Methode“ besser bedient.
Manche Kinder brauchen auch Freiraum (also ein eigenes Bettchen), um das Durchschlafen zu lernen und regen sich durch den ständigen Körperkontakt noch mehr auf.
Erfahrungen mit der Gordon-Methode
Im Folgenden findest Du einige Erfahrungsberichte von Eltern, die diese Methode angewandt haben:
„Ich bin ein Papa. Als wir nachts abstillten, bin ich statt meiner Frau zu unserem Sohn gegangen. Er weinte ein bisschen und war nicht glücklich darüber, dass ich statt Mama kam, aber ich war da, um ihn zu trösten. Jede Nacht beruhigte er sich etwas schneller und innerhalb einer Woche ließ sein nächtliches Aufwachen deutlich nach.“ „Wir haben mit etwa 20 Monaten die nächtliche Entwöhnung gemacht… Es war nicht einfach, aber es war nicht so schwer oder schrecklich, wie ich dachte. Meine Tochter und ich hatten ein Gespräch, dass wir alle – Kind, Vater, Mutter, Brüste – die ganze Nacht Ruhe brauchen. Und wenn du zu irgendeinem Zeitpunkt aufwachst und traurig oder verängstigt bist, werden Mama oder Papa da sein, wir können deinen Rücken kuscheln oder streicheln, aber meine Brüste brauchen ihre Ruhe… Es hat ein bis zwei Wochen gedauert, bis sie aufgehört an, verzweifelt nach ihnen zu greifen.“
„Es ist also mehrere Tage her, seit wir den 10-tägigen schrittweisen Prozess abgeschlossen haben, und es ist erstaunlich, wie schnell sie wieder durchgeschlafen hat und aufgehört hat, stillen oder kuscheln zu müssen, wenn sie aufwacht… Sie brauchte nur Hilfe, um einen anderen Weg zum Einschlafen zu lernen.
Ich mag Dr. Gordons Satz darüber, dem Baby all die guten Dinge zu versprechen, die Sie zusammen tun können, wenn Sie genug Ruhe bekommen. Es ist wahr – ich bin eine viel lustigere Mama, wenn ich nicht erschöpft bin… Ich glaube, ich stille sie tagsüber auch mehr als vorher, weil ich möchte, dass sie den Unterschied zwischen der Tageszeit (stillen, stillen, stillen!) und Mamas Nachtruhe (Brüste gehen schlafen) versteht.“
Fazit Abstillen nachts – Was ist der beste Weg?
Nun fragst du dich, was für euch der beste Weg ist? Erfahrungsgemäß haben Mamas eine sehr gute Intuition, die ihnen sagt, welche Methode besser für sie durchführbar ist und besser zu ihrem Kind passt. Vertraue dieser!
Du kannst alle Methoden natürlich nach deinen eigenen Vorstellungen und Erfahrungen anpassen.
Ich würde nicht nur nach dem Alter gehen, denn auch Gordons Methode lässt sich so oder so ähnlich in meinen Augen ab ca. 6 Monaten Alter durchführen. Allerdings schreien Babys (und auch Kleinkinder) oft mehr und länger, wenn sie neben ihren Eltern liegen statt im eigenen Bett (auch wenn das oft nicht dem Ideal der Eltern entspricht). Hier wäre also überlegenswert, was ihr wollt und wir ihr eurem Kind am besten helfen könnt.
Generell ist die Pantley-Methode ein guter Ausgangspunkt. Ihr könntet z.B. diese Methode einige Tage testen und dann am Wochenende auf die Gordon-Methode wechseln.
Welche Methode besser ist, kommt sehr auf eure Erziehungseinstellung, euren Energielevel und v.a. auch die Persönlichkeit eures Kindes an. Habt ihr ein „ganz oder gar nicht“-Baby ist die Pantley-Methode zu langwierig und mitunter ohne Erfolg. Dann empfehlen sich schnelle Methoden wie die von Gordon oder auch andere bindungsorientierte Schlafcaoching-Methoden. Für andere Babys kann sie die goldene Lösung sein.
Weiter würde ich empfehlen, die Gordon-Methode auszuweiten, denn dein Kind hat keine Uhr dabei und weiß nicht, ob es nun 4 Uhr oder schon 5.30 Uhr damit Dauernuckeln-erlaubt-Zeit ist. Spätestens ab einem Jahr schlafen die allermeisten Kinder wesentlich besser, wenn auf keine oder maximal eine Stillmahlzeit (zu Anfang der Nacht, wenn Mama ins Bett geht) reduziert wird. Die 7-Stunde-Grenze erscheint mir hier eher kontraproduktiv für Mama und Kind.
Deine Sarah
Über die Autorin
Sarah Mann
Siebenfache Mama. Zertifizierte Sensitive Sleep Consultant des ISSC Australia. Gründerin von Babyschlummerland. Schreibt seit zehn Jahren über bindungsorientierten Babyschlaf, weil sie selbst Jahre gebraucht hat, um den eigenen Weg zu finden.
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